Alt – Krank – Behindert (3)!

Ein wenig wehmütig fühlte ich mich schon, als ich an jenem Morgen meinem eigenen Tod beiwohnte.

Zurzeit sitze ich in meinem Lieblingssessel und verreise in Gedanken, nicht an ferne Orte, sondern dringe in die Tiefen der Dinge ein, bezüglich des Themas an dem ich gerade arbeite. – aber eine Pause wäre jetzt von Nöten und dazu eine Tasse Kaffee, denn ich erinnerte mich, dass von heute Morgen noch Kaffee Kaffeemaschine vorhanden sein muss. Ja, eine Tasse des kalten Kaffee wäre jetzt angebracht. Genüsslich wippe ich im Sessel, dem Gedanken an das kalte Schwarz nachgehend. In diese Stimmung hinein wurden Erinnerrungen an längst vergangenes wach, an meine Gehirn-OP im Jahr 2000; als ich genauso saß und meinen letzten Schluck nahm, bevor ich mich zur OP entschloss!

Damals haderte ich, so meine Erinnerung: … Herr, sollte der dichte, wallende Nebel, der meine gesamte Pilgerschaft begleitet, mit grausamer Treffsicherheit jetzt ein jähes Ende machen? Mein ganzes Sein kämpfe gegen diese Ohnmacht an. Nein, Herr, und nochmals entschieden nein! – damals fing ich an zu beten: Herr, dieser Tumor muss raus, das leuchtet ein! Aber in deine Hände lege ich die Dinge, die kommen müssen, ja, mein ganzes Sein – bitte heile mich nach deinem Willen (…)

Und Gott der Bibel wollte, dass eine vollendete gesundheitliche Freiheit sich meiner erfreut. Gott wollte, dass ich eine lebendige Beziehung zu IHM aufbaue, und in übersprudelnder Freude und des wahren Friedens, als seine neue Schöpfung dies der Welt bezeuge. Denn ER sprach damals in meine Situation hinein:

… »Erkennst Du den Zusammenhang zum Geschehen immer noch nicht? «

»Nein! «

»Weil Du damals dich noch nicht entschieden hast zu bleiben. Und glaube mir, hättest Du das alles vorher gewusst, wäre vieles anders beeinflusst worden! «

»Was wäre anders, wenn ich damals geblieben wäre? « – gemeint war meine erste Nahtoderfahrung 1985.

»Du musstest es so tun, schon wegen deiner Berufung! … «

Dieser kurze Abriss meiner Unterhaltung zeigt, in welcher unendlichen Güte Gott schützend, auch wenn ich nicht alles verstand, in mich hinein wirkte…

Ich schöpfte neue Hoffnung, nachdem der Arzt mir den „Standardeingriff“ erklärt hatte, und fragte:

„Was bedeutet das für mich?“

»Herr Wydra, wir müssen operieren, sofort, ihr Gehirn könnte augenblicklich platzen. Es ist entzündet und befindet sich in einem sehr kritischen Zustand. «

»Also habe ich keine Alternative? «

»Nein! «

»In Gottes Namen, dann soll es geschehen! «

Plötzlich fühlte ich mich sehr einsam, Ohnmacht los, und ungerecht durch das Schicksal behandelt. Mein Herz raste, ein krampfartiges Gefühl in der Magengegend ergriff mich, und der Atem schnellte ins uferlose. Mir wurde schwindelig und schwarz vor Augen. Gerne hätte ich damals alle menschlichen Schranken durchbrochen und wäre dem Notgedrungenen entflohen. Aber indessen gab Gott mir Zuversicht: »Ich werde dich behüten« …

… In sechsstündiger chirurgischer Filigranarbeit geschah, dass mein Gehirn frei war, und der Kopf wieder geschlossen. Währenddessen war ich mitten in die Herrlichkeit entrückt, in der ein anscheinend unendlicher Engelchor sang: »Der Herr ist hier und seine Lieblichkeit: Du bist Gott der Herrlichkeit in Ewigkeit …« – an mehr fehlt mir die Erinnerung.

Eine andere Engelschar sprach zu mir: »Kind Gottes, wir begrüßen dich in Ewigkeit. Wir haben dich lieb. «

Und ich hörte zu dem fröhlichen Lachen und regen Treiben. Ich fühlte mich geborgen, frei von jeglicher Mühsal und Not. Und wollte es mir gerade bequem machen, als ich eine andere Stimme vernahm, die sagte: »Wydra, Wydra, Wydra, du bekommst noch eine Zeit. Nimm und koste sie aus – es ist eine herrliche Zeit. Wir lieben diese köstliche Zeit. « – ich wunderte mich darüber, warum ich nicht als Joachim angesprochen wurde; aber das ist eine andere Geschichte, die ich vielleicht bei Gelegenheit mal erzähle…

Inzwischen hielt der Neurochirurg, der Chef selbst, einen Moment nach vollendeter OP inne – mein Kopf war ja schon geschlossen, und soll gesagt haben: »Mann, was bist du für ein Glückspilz! «

(…) Heute, siebzehn Jahre danach, bin ich von dieser Gedankenreise zurück. Inzwischen ist es auch Abend geworden. Ich genieße noch den letzten Rest meines kalten Schwarz, ein köstliches Etwas! Dabei geht mir der Gedanke durch den Kopf: „Kaffee soll für die Gesundheit schädlich sein!“ Wow, wirklich?

Nun, an dieser Stelle möchte ich mit diesem Mythos aufräumen, das „kalter Kaffee der Gesundheit schadet, oder schönmacht.“ Beides ist Blödsinn, denn ich bin alles andere als schön geworden. Ich bin einfach alt, dem Lauf der Dinge entsprechend! Mein Schluckauf, den ich immer bei blödsinnigen Theorien bekomme, bestätigt mir das…

 

Veröffentlicht von Joachim Wydra

Geboren 28 November 1939 in Gleiwitz. Naturwissenschaftliches-Studium an der Universität Kaiserslautern 1971-1975.

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